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Ausbildung zum OSM

                                     Berufsausbildung zum  Orthopädieschumacher
 

1. Einleitung

Die Füße sind das Fundament für die physische Beweglichkeit und Leistungs-fähigkeit des Menschen. Füße und Beine sorgen im übertragenen Sinne für kör-perlichen Fortschritt. Gesunde Füße sind daher eine Voraussetzung für weniger Stillstand im menschlichen Organismus. Laufen, Gehen, Stehen, Springen, Tanzen, Wandern – in allen Lebenslagen übernehmen Füße eine tragende Rolle im Bewegungsablauf beziehungsweise in der Stütz- und Haltungsfunktion. Eine genaue Betrachtung der Füße zeigt, dass Formabweichungen, Deformi-täten, Funktionsstörungen, Beinverkürzungen und weitere, individuelle Fuß-fehler durch die verschiedensten Krankheiten, Verletzungen, Unfälle, tägliche oder außergewöhnliche Belastungen, schlechte Gewohnheiten u. v. m. in einer pulsierenden Leistungsgesellschaft deutliche Alarmspuren hinterlassen.

Im Dienste der Gesundheit sind die Orthopädieschuhmacher die Partner für den Arzt in punkto Versorgung des Bewegungsapparates.

Wer an einer Fußerkrankung oder einer spezifischen Gehbehinderung leidet, wendet sich normalerweise zuerst an einen Arzt (Orthopäden), der den Patienten dann zu einem Fachmann für orthopädische Heil- und Hilfsmittel schickt.

Die Bemühungen der Orthopädieschuhmacher zielen darauf ab, die Leiden der Patienten zu lindern und dabei die Deformierungen, Behinderungen,.. geschickt zu kaschieren.

Neben der Herstellung von Maßschuhen nimmt der Orthopädieschuhmacher z.B. auch Veränderungen an Konfektionsschuhen vor und fertigt Einlagen an.
 

Das Sprichwort "Schuster bleib bei deinen Leisten" trifft nach meinen gesammelten Erfahrungen auf die Orthopädieschuhmacher nur teilweise zu. Zwar wird mit Leisten (= Fußnachbildung aus Holz) immer noch gearbeitet. Das Aufgabengebiet ist jedoch so groß, dass der Leisten nur noch einen kleinen Anteil an den Tätigkeiten einnimmt.

In den folgenden Texten soll dem Leser klar werden, wie das Berufsbild des Orthopädieschuhmachers gestaltet ist.
 

2. Geschichte

 

Schon vor 800 vor Christus fanden sich die ersten zunftähnlichen Einteilungen der Handwerker. Organisierte Schuhmacher gab es jedoch erst um 700 vor Christus in Rom, sie nannten sich Sutores oder Sohlenmacher. Hundert Jahre später fand sich auch in Griechenland der Schuhmacherstand.

Schon im Mittelalter und in den darauffolgenden Jahrhunderten gab es kunstfertige Schuhmacher, die in der Lage waren, verkrüppelte Füße mit großer Präzision anzumessen und funktional fast optimal zu versorgen (mit erstaunlichen Kenntnissen von statomechanischen und kinetischen Zusammenhängen).

Es ist zu vermuten, dass sich der ein oder andere auf diesem Gebiet spezialisiert hatte, orthopädische Schuhmacher waren sie jedoch nicht. Hierzu gehört die spezifische, standesbezogene Organisation, dies erst ist die Voraussetzung für die berufliche Reputation in der Gesellschaft.

Erst 1860 wurde in Stuttgart ein Klumpfuß mit einem orthopädischen Schuh behandelt. Dies wirkte wie ein Signal für die weitere, konstante Entwicklung im orthopädischen Bereich.

1904 stellte der spätere Fachschuldirektor Heinrich Meier zum ersten Mal auf der Gewerbeausstellung in Magdeburg einen orthopädischen Maßschuh aus, mit dem er die höchste zu vergebenden Auszeichnung gewann.

Mehrere Schuhmachermeister trafen sich 1914 auf dem sächsischen Schuhmacherinnungsverband in Döbeln. Sie lieferten bereits hervorragende orthopädischen Maßschuharbeiten.

Heinrich Meier legte seine Erfahrungen in diesem Zeitraum schriftlich nieder. Diese Schriften wurden 1949 nochmals publiziert und sind heute noch von Bedeutung.

Die hohe Zahl verstümmelter Füße im ersten Weltkrieg führte 1917 zur Gründung des ersten Bundes der orthopädischen Schuhmachermeister mit Sitz in Leipzig. Dem folgten schnell weitere Verbände, beispielsweise in Berlin und Halle.

1920 wurde Heinrich Meier zum Fachhochschuldirektor der Deutschen Schuhmacherschule in Siebenlehn berufen. Er führte in diesem Jahr den Unterricht in der Orthopädie ein.

Die im Bunde der orthopädischen Schuhmachermeister vereinigten Handwerker hatten nun alleine das Recht, orthopädische Schuhe herzustellen.

1928 wurde in Dortmund der Antrag gestellt, eine eigene Meisterausbildung auf dem Gebiet der orthopädischen Schuhmacherei einzurichten. Der Reichsinnungsverband lehnte den Antrag, eine besondere Prüfung für orthopädische Schuhmacher einzuführen jedoch ab.

Erst am 8.11.1938 kam es zur Gründung der Reichsfachgruppe des Orthopädie-Schuhmacherhandwerks.(niedergelegt in §30b der Gewerbeordnung). Das erst war die Geburt des orthopädischen Schuhmachermeisters. Das Orthopädie-Schuhmacherhandwerk war zum Vollhandwerk mit eigener Meisterlehre und Ausbildung geworden. Erst damit konnte es sich fachlich, technisch und auch konstitutionell rapide weiterentwickeln.
 

 

3. Berufsbenennung und Synonyme

In der Klassifizierung der Berufe von 1970 ist im Berufsbereich III "Fertigungsberufe: Lederhersteller, Leder- und Fellverarbeiter (37)" unter der Berufsordnung 372 der Schuhmacher aufgeführt.

Die hier von mir aufgeführte Berufsbeschreibung konzentriert sich auf den Orthopädieschuhmacher, der die Berufskennziffer (BKZ) 3722 trägt.

Die offizielle Berufsbezeichnung lautet demnach " Orthopädieschuhmacher beziehungsweise Orthopädieschuhmacherin". ( Im folgenden Text wird auf die Doppelbezeichnung verzichtet. Unabhängig davon steht das Ergreifen dieses Berufes beiden Geschlechtern offen (vergleiche Punkt 4.2)).

Synonym werden für diese Tätigkeit auch andere Berufsbenennungen benutzt. Begriffe wie "Orthopädieschuhtechniker", "Orthopädieschuhmacher-Geselle" oder "Fachkraft für Orthopädieschuhtechnik" stehen ebenfalls für diesen Beruf. Eine heute nicht mehr gebräuchliche aber noch erhaltene Berufsbenennung ist der "Schuhmacher auf Orthopädie".

Frühere vergleichbare Berufe der DDR sind der "Orthopädieschuhmacher – Spezialisierungsrichtung (SPR) Schuhbodenhersteller" ,der "Orthopädieschuh-macher – SPR Schafthersteller", der "Schuhfacharbeiter – SPR Schuhteile-fertigung", "Schuhfacharbeiter – SPR Schaftmontage", "Schuhfacharbeiter – SPR Bodenmontage" und der "Facharbeiter für Schuhreparaturen".

Der Beruf Orthopädieschuhmacher gehört zu den medizinischen Ausbildungsberufen. Es handelt sich um eines der letzten anerkannten Gesundheitshandwerke in Deutschland (neben Augenoptiker, Hörgeräte-akustiker, Bandagisten, Zahntechniker und Orthopädiemechaniker).
 

4. Ausbildung

Bei der Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher handelt es sich um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf gemäß § 1 der "Verordnung über die Berufsausbildung zum Orthopädieschuhmacher". Entsprechend § 2 dieser Ver-ordnung beträgt die Dauer der Ausbildung 3 ½ Jahre. Es handelt sich hierbei um eine duale Ausbildung. Die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb erfüllen hierbei einen gemeinsamen Bildungsauftrag. Zum einen erfolgt die Ausbildung in orthopädieschuhtechnischen Werkstätten (z.B. Fachbetriebe der Orthopädieschuhtechnik, orthopädieschuhtechnische Abteilungen von Sanitäts-häusern, Kliniken und Rehabilitationszentren) durch Unterweisung am Arbeitsplatz nach dem Ausbildungsplan. Einzelne Ausbildungsabschnitte erfolgen durch oft überregionale Einrichtungen im Berufsschulunterricht, der meist in Blockform gestaltet wird. Die praktische Ausbildung erfolgt nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Orthopädieschuhmacher vom 21.04.1999. Die theoretische Ausbildung orientiert sich an dem Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Orthopädieschuhmacher (Beschluss der Kultusministerkonferenz von 25.05.1999) (siehe Anlage im Teil B)

Folgende Fertigkeiten und Kenntnisse werden den Auszubildenden während ihrer Ausbildung vermittelt (Quelle: Ausbildungsrahmenlehrplan vom 6. Mai 1999) :
Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht:
Bedeutung des Ausbildungsvertrages; gegenseitige Rechte und Pflichten; Fortbildungsmöglichkeiten; Arbeitsvertrags-, Tarifvertrags-bestimmungen;..

Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes:
Beschaffungs-, Fertigungsgrundsätze; Absatz; Verwaltung; Grund-lagen; Aufgaben; Arbeitsweisen; Beziehungen zu Wirtschaftsorganisa-tionen, Berufsvertretungen und Gewerkschaften erläutern;..
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit:
berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften; Verhaltensweise bei Unfällen; Brandschutzvorschriften;..
Umweltschutz und rationelle Energieverwendung:
Erklärung von Umweltbelastungen, Umweltschutzregelungen; Möglichkeiten der wirtschaftlichen und umweltschonenden Energie- und Materialverwendung; Abfallvermeidung; Entsorgung;..
- Planen von Arbeitsabläufen und Ausführen von Geschäftsvorgängen:
Arbeitsplatzvorbereitung, Auswahl von Arbeitsgeräten und –mitteln, Skizzenanfertigung, Anwendung technischer Unterlagen; Planung, Koordinierung und Festlegung von Arbeitsablauf und Materialeinsatz; Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken, Auswer-tung fachärztlicher Verordnungen, Erfassen von Krankheitsbildern, Kommunikation mit Ärzten, Patienten und Kostenträgern, Kostenermit-tlung, Dokumentation von Patientendaten, Beurteilung von Patienten-daten, ..
Anatomie, Physiologie und Pathologie der Stütz- und Bewegungsorgane:
Aufbau und Funktion der Stütz- und Bewegungsorgane der orthopädi-schen Versorgung zuordnen; Beurteilung biomechanischer Vorgänge und der Wechselbeziehungen zwischen orthopädischen Maßnahmen und dem menschlichen Organismus; orthopädische Krankheitsbilder auf ihre funktionelle Beeinträchtigung beurteilen; pathologische Beein-trächtigungen beim Stehen und Gehen beurteilen, Auswirkungen auf Patienten und Anforderungen an das orthopädische Hilfsmittel feststel-len; Auswirkungen systematischer Krankheiten auf die Versorgungs-maßnahmen einbeziehen; Belastungsfähigkeit von Haut- und Narbenge-webe zur orthopädieschuhtechnischen Versorgung beurteilen;
Bearbeiten von Werks- und Hilfsstoffen:
Werkzeuge, Messgeräte, Maschinen und technische Einrichtungen aus-wählen, einstellen, handhaben und instandhalten; Bearbeitung der Materialien; Auswahl von Werks- und Hilfsstoffen,
Anmessen von orthopädischem Schuhwerk und Maßeinlagen zur
Versorgung von Fuß und Unterschenkel:

Fuß- und Beinuntersuchungen vornehmen und Messpunkte festlegen; Trittspuren und Profilzeichnungen von Fuß und Bein herstellen; ortho-pädische Maßsysteme anwenden und Dokumentationen erstellen; Ab-formtechniken anwenden und Ergebnisse auswerten; Analyseverfahren anwenden, insbesondere Fußdruckmesssysteme, und Ergebnisse aus-werten.

Beratung und Betreuung von Patienten:
Wirkungen der orthopädischen Maßnahme erklären, auf mögliche Folgeerscheinungen hinweisen; Möglichkeiten der orthopädischen Ver-sorgung vorschlagen; Anleitung zur funktionsgerechten Handhabung von orthopädischen Hilfsmitteln; Beratung über vorbeugende Maßnah-men
- Entwickeln und Herstellen von Formteilen und Modellen für
orthopädisches Schuhwerk:

Formteile nach Positivmodell entwickeln; Positivmodelle herstellen und bearbeiten; stützende, korrigierende, bettende und kompensierende Teilelemente herstellen, bearbeiten und formen; orthopädische Leisten nach Fehlformen auswählen; Schaftmodelle auswählen und gestalten.

Ausführen von orthopädieschuhtechnischen Befestigungsarten und
Instandsetzen von Funktionsteilen:

Bodenbefestigungsarten auswählen; Teilelemente rangieren; Schäfte

vorbereiten und aufzwicken; Bodenelemente in Form bringen; Ab-

schlussarbeiten ausführen; Ursachen für Verschleiß beurteilen; Funk-

tionsteile und Schuhteileelemente austauschen, erneuern und korri-

gieren.

- Anfertigen von Verkürzungsausgleichen und Einbauelementen:

stützende, korrigierende, bettende und kompensierende Einbauelemente

einarbeiten; Funktion und Einsatzmöglichkeit von Verkürzungsausglei-

chen beurteilen; Verkürzungsausgleich lotgerecht aufbauen; Arbeits-

stücke in Stellung bringen
Anbringen von orthopädischen Zurichtungen an
Konfektionsschuhen:

Konfektionsschuhe nach Arbeitsunterlagen vorbereiten; orthopädische Zurichtung unter Berücksichtigung von Statik und Dynamik anfertigen; kosmetische Gestaltung vornehmen; Möglichkeiten der orthopädischen Zurichtung nach dem Krankheitsbild beurteilen und geeignetes Schuhwerk auswählen.

- Anfertigen von Unterschenkelorthesen und Fußprothesen: Einlagen herstellen, in den Schuh einpassen, überprüfen der Wirkungs-

weise und Optimierung; Innenschuhe konstruieren; Unterschenkel-,

Knöchel- und Kleinorthesen entwerfen, anfertigen, überprüfen und opti-

mieren; Zehen- und Fußprothesen herstellen.

Ausführen von Behandlungsmaßnahmen der medizinischen
Fußpflege:

Gesetzliche Bestimmungen anwenden; Einrichtungen, Instrumente und Pflegemittel einsetzen; krankhafte Veränderungen feststellen; Gefahren bei Fußpflegemaßnahmen vermeiden

Anpassen von Fertigorthesen:
Bandagen anpassen, kontrollieren; Unterschenkel- und Fußorthesen auswählen, modifizieren und Passform überprüfen; Hilfsmittel zur Kompressionsversorgung anmessen, auswählen und Passform über-prüfen
Diabetikerversorgung:
Krankheitsbild; Anfertigen von speziellen Einlagen, diabetesadaptierten Fußbetten, orthopädischen Maßschuhen; Anpassen von Entlastungsorthesen; Anfertigen von Orthesen
Qualitätsmanagement:
Qualitätssichernde Maßnahmen durchführen, Arbeitsergebnisse fest-stellen und dokumentieren; Arbeitsschritte und Produktqualität beurtei-len; Qualitätsmerkmale von orthopädischen Hilfsmitteln beurteilen.
Der Auszubildenden führt während der Ausbildung ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises.

Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung zur Ermittlung des Ausbildungsstandes statt.

Am Ende der 3 ½-jährigen Ausbildung steht die Gesellenprüfung. Sie erstreckt sich auf die oben aufgeführten Kenntnisse sowie auf den im Berufs-schulunterricht vermittelten Lehrstoff. Die Prüfung besteht aus einem Prüfungsstück, Arbeitsproben und einem schriftlichen Teil bestehend aus den fachtheoretischen Fächern.

5. Zugang zur Tätigkeit

5.1. Zugangsmöglichkeiten

Neben der Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher erfolgt der Zugang zu dieser Tätigkeit in erster Linie als Berufsangehöriger des Berufes "Orthopädieschuhmacher". Angehörige der gleichen Berufsgruppe, die eine Berufsbezeichnung der in Punkt 3 aufgeführten Synonyme führen, fallen ebenfalls in diesen Bereich.

Weiterhin sind dem die verwandten Berufsbezeichnungen der ehemaligen DDR gleichzusetzen.

Zudem ist ein Zugang aus den Berufen "Schuhfacharbeiter – Spezialisierungs-richtung Schuhteilefertigung", " - Spezialisierungsrichtung Schaftmontage", "- Spezialisierungsrichtung Bodenmontage", "Schuhmacher", "Facharbeiter für Schuhreparaturen" oder "Schuhfertiger" möglich.

Weitere Zugangsalternativen sind der Bereich "Schuhmacherei und Leder-verarbeitung" und der Bereich "Orthopädietechnik".

Der Bereich Schuhmacherei und Lederverarbeitung beschäftigt sich ebenfalls mit dem Anfertigen von Schuhen und der Be- und Verarbeitung von Leder und Kunststoffen.

Der Bereich Orthopädietechnik bietet vor allem aufgrund der Erfahrungen im Bereich Kleinorthopädie und Orthesenfertigung eine Beschäftigungsmög-lichkeit. Von Vorteil sind hierbei auch Kenntnisse des Bandagisten oder des Orthopädiemechanikers.

Mit einer entsprechenden Einarbeitung bestehen weitere Zugangsmöglich-keiten aus den Berufen Schuhmacher, Schuhfacharbeiter, Oberlederzuschnei-der, Schuhnäher u. ä. artverwandten Berufen.
 
 

Der Zugang zu einer Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher erfordert keinen bestimmten Schulabschluss.

Am 31.12.1998 war die Verteilung folgendermaßen:

Mit Hauptschulabschluss wurden 36 %, mit Realschul- oder gleichwertigem Abschluss 43,7%, mit Hochschul-/Fachhochschulreife 9% und ohne Haupt-schulabschluss 2,6% der Lehrlinge eingestellt.
 

5.2. Sonstige Zugangsinformationen

Neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung und ggf. einer externen Weiterbildung ist die Zulassung zur Abschlussprüfung Orthopädieschuhmacher nach entsprechender Berufstätigkeit und mit entsprechender Weiterbildung als Zugangsqualifizierung möglich.

Falls erwünschte Kenntnisse und Fertigkeiten nicht in ausreichender Form vorhanden sind, ist eine Einarbeitung notwendig.

Neben den üblichen Fertigkeiten und Erfahrungen sind einschlägige medizinische Fachkenntnisse förderlich.
 

6. Tätigkeiten und Aufgaben

6.1. Tätigkeiten, Aufgaben, Kenntnisse und Fertigkeiten

Der Beruf Orthopädieschuhmacher gehört zu den medizinischen Handwerksberufen. Aus diesem Grund wird die Tätigkeit der Orthopädieschuhmacher durch die erstellte Verordnung des behandelnden Arztes bestimmt (z.B. Einlagen, orthopädische Maßschuhe,..). Außerdem er-bringt er Leistungen nicht medizinischer Indikation (z.B. Fußpflege,..)

Das Aufgabengebiet umfasst die Herstellung orthopädischer Hilfsmittel, insbesondere orthopädischer Maßschuhe, Unterschenkelorthesen und Fuß-prothesen sowie orthopädischer Zurichtungen an Konfektionsschuhen. Darüber hinaus gehört zur Arbeitsgebiet das Anpassen von Bandagen für Fuß und Knie, das Anmessen von Kompressionsversorgungen der unteren Extremität sowie die medizinische Fußpflege.

Hier nochmals eine Übersicht der Aufgaben und Tätigkeitsfelder des Orthopädieschuhmachers in allgemeiner Kurzdarstellung:
Vorarbeiten: Annahme ärztlicher Verordnungen und Auswertung dieser, Untersuchen des Patienten auf die diagnostizierten Merkmale des Arztes/Erfassen orthopädischer Krankheitsbilder. Herstellen des Trittspurabdrucks, des Negativ- und Positivabdrucks sowie von Skizzen, Fußdruckmessung, Palpation. Annahme von Schuhen zur Änderung, Auswahl von Leder und anderen Werk- und Hilfsstoffen noch Verwendungszweck, Körperverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit; Erarbeitung technischer Unterlagen und Festlegung der Arbeitsabläufe, Kostenermittlung für orthopädische Hilfsmittel und Maßnahmen,..
Anfertigen orthopädischer Maßschuhe: Aufbauzeichnungen und Schnittmustern, Übertragen der Fußabdruckmuster auf den Leisten, Anfertigen der Schuhteile ( Boden, Kappe, Sohle, Gelenke, Schafte u.ä.) und Verbindungen (Nageln, Kleben, Nähen, Steppen u.ä.), Anfertigen von Fußstützen und –bettungen: Vorformen plastischen Materials (z.B. Gießharze) nach Gipsabdruck, Aussägen, Beschleifen und Fertigstellen des Rohlings, evtl. Befedern der Fußbettung, ..
Anfertigen von Einlagen: Vorformen plastischen Materials evtl. nach Gipsabdruck oder nach Maß, Umarbeiten von vorgefertigten Einlagenrohlingen, Beschleifen, Anpassen an den Schuh
Anfertigen von Orthesen (insbesondere orthopädische Einlagen, Innenschuhe, Knöchel- und Kleinorthesen sowie Fuß- und Zehenprotesen):
Anfertigen der Beinleisten nach Trittspur und Gipsabdruck, Anfertigen der Schiene im Tiefziehverfahren, Ausschneiden der Lederteile, Herrichten der Decksohlen, Anbringen von Knöpfen, Klettverschlüssen, Gummizügen u.ä.
oder
Anfertigen von Orthesen aus Silikon, z. B. durch direktes Anpassen am Fuß,

Anpassen von Fertigorthesen insbesondere Bandagen, Unterschenkel-orthesen, Fußorthesen und Hilfsmittel zur Kompressionsversorgung

Instandsetzen orthopädischer und konfektionierter Schuhe: Erneuern von Halbsohlen, Absatzflecken, Haken, Ösen u.ä., Reparieren geplatzter Nähte, Bearbeiten mit Schleif- und Ausputzmaschine
Anbringen orthopädischer Schuhzurichtungen: Zuschneiden und Anbringen von Sohlen- und Absatzveränderungen, Vornehmen von Erhöhungs- bzw. Verkürzungsausgleichen, Einarbeiten von Fußentlastungs- oder Korrekturmaterialien ( Polstermaterialien, Pelotten aus Kunststoff, Kork,..) zur Stützung, Bettung, Korrektur und Kompensierung des Fußes, passgerechtes Umarbeiten von Schuhen für Beinprothesen
Medizinische Fußpflege: Behandlungsmaßnahmen wie das Anbringen von Nagelkorrekturspangen, das Entfernen von Druckstellen, Hornbildungen, Dornwarzen u.ä.
Tätigkeiten im Laden: Betreuung und Beratung von Patienten, Verkauf, Annehmen von Aufträgen u.ä.
Erforderliche Kenntnisse:

Die Betreuung von Patienten und die enge Zusammenarbeit mit dem Facharzt sowie dem Rehabilitationsteam erfordern medizinisches Wissen und psycholo-gisches Einfühlungsvermögen. Einfühlungsvermögen und psychologisches Verständnis ist sehr wichtig. Menschen mit Deformierungen wollen sich nicht als Behinderte fühlen und brauchen dazu die richtige Behandlung. Gründliche anatomische Kenntnisse des gesunden und des krankhaft veränderten Fußes sowie die Beachtung einschlägiger Regeln der Mechanik und Biomechanik sind deswegen unerlässlich.

Genaue Kenntnisse über die verwendeten Materialien zur Bewertung und best-möglichen Auswahl nach Verwendungszweck, Körperverträglichkeit und Wirt-schaftlichkeit sind ebenfalls wichtig.

Zudem werden besondere Fertigkeiten in der Be- und Verarbeitung des Materi-als (zu wirtschaftlichem und qualitativ gutem Arbeiten) gefordert.

Herkömmliche Techniken handwerklicher Schuhherstellung sind das Funda-ment der handwerklichen Ausbildung und ebenfalls unbedingt zu beherrschen.

Nur wenn anatomische Kenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten auf einen Nenner gebracht werden kann eine optimale Betreuung der Patienten sicherge-stellt werden.
 
 

7. Arbeitsmittel, Objekte und Produkte:

(Quelle: Erwin Lämmel, "Wenn Konfektionsschuhe nicht passen")
Räumlichkeiten, Einrichtungen und Maschinen:
Die Arbeit wird vor allem in Werkstätten aber auch im Anproberäumen/Patentenumkleideräumen und im Verkaufsladen verrichtet.

Gearbeitet wird auf Werkbänken, Arbeitstischen, mit Gipstrockenschränken und Fönen.

Bei den Maschinen unterscheidet man zwischen Lederbearbeitungsmaschinen, Kunststoffbearbeitungsmaschinen und Holzbearbeitungsmaschinen.

Lederbearbeitungsmaschinen sind Schleif-, Polier-, Ausputz- und Oberleder- schärfmaschinen, Lederstanzen, verschiedene Näh- und Steppmaschinen, Schuh- und Stiefelweitmaschinen, Oberlederbügeleisen und Heißluftföne bzw. Backöfen.

Kunststoffbearbeitungsmaschinen sind Tiefzieh- und Abformgeräte, Heißluftschweißgeräte, Folienbügeleisen, Heißklebepistolen, Schleifmaschinen und Wärmeöfen.

Holzbearbeitungsmaschinen sind die Bandschleifmaschine, die Elektrostich- säge, die mit Luftdruck funktionierende Turbofräse und die Bandsäge.
 
 
Handwerkzeuge und Hilfsmittel:
Bei Lederarbeiten: Zuschneidemesser, Raspeln, Feilen, Lederaufrauher, Nadeln, Ahlen, Locheisen, Zangen, Hämmer, Schnitteisen, Kantensetzer, Nagelheft, Klammerzieher, Nieten, Schrauben, Nägel, Drucklufttacker,...

Bei Gipsarbeiten: Gipsmesser, Gipsraspel, Modelleisten, Spachtel, oszillierende Säge, ..

Bei Metallarbeiten: Treib- und Umbughammer, Zangen, Steckschlüssel, Schraubendreher, Seitenschneider, Blechscheren, Feilen, Bohrer, Gewinde-kopfschneider, Nietkopfmacher, Nietzieher, ....

Bei Fußpflege: Scheren, Feilen, Fräsen, Skalpelle, Nagelkorrekturspangen,....

Mess- und Prüfgeräte: Trittspurapparat, Innenumfangmessgerät, Parallelverkürzungsmessgerät, Podoskop ???, Verkürzungsbrett, Beckenwaage, Bandmaß, Schiebelehre ???, Winkelmesser, verschiedene Zirkel, Druckmesssysteme, Infrarot-Kameras ???, 3D-Scanner, ..

Arbeitsunterlagen: ärztliche Rezepte, Maßblätter und Maßeintragungen, Farbabdrücke, Anzeichnungen auf Gipsmodellen, Skizzen und Aufbauzeichnungen, Schnittmuster, Auftragsblätter, Dokumentationsnach-weise für das Medizinproduktegesetz (MPG),...

Materialien, Hilfs- und Betriebsstoffe: verschiedene Kunststoffe (PE, PU, PVC, Nylon, TR, EVA,..), verschiedene Holzarten für den Leistenbau, verschiedene Lederarten, Kunststoffe (oft fälschlicherweise als Kunstleder bezeichnet), Kork, Textilien, Polstermaterialien (z. B. Schaumstoffe), verschiedene Halbfabrikate (Sohlen, Absätze, Einlagen) und Fertigteile (Schnürsenkel, Knöpfe, Schnallen, Reiß- und Klettverschlüsse,..), Gips, Gipsbinden, Knetmasse, Klebstoffe, Garne, Zwirne, Farben, Lacke, Lederreinigungs- und Imprägniermittel, Fußpflegemittel, Kompressions-strümpfe,....
 
 
 

8. Stellung im Betrieb

Der Orthopädieschuhmacher ist den angelernten Kräften, den Hilfs- und Aushilfskräften und den Auszubildenden übergeordnet.

Den ersten Gesellen, den Werkstattleitern, Filialleitern, Betriebsleitern und den Betriebsleitern ist er hingegen untergeordnet.

Es handelt sich um den Status einer Fachkraft.

G = Kräfte mit Fachschulniveau, z. B. Orthopädieschuhmachermeister, Schuh-

machermeister

L = Fachkräfte, z. B. Orthopädieschuhmacher, Schuhmacher

N = Kräfte mit Fachkenntnissen; z. B. Fachpraktiker im Schuhmacherhand-

werk, Schuhmacherhelfer

Die Zusammenarbeit in einem Betrieb erfolgt insbesondere mit Orthopädieschuhmachern (ggf. auch mit Orthopädiemechanikern), Vorgesetzen wie Orthopädieschuhmachermeistern, Werkstattleitern, Betriebs-leitern und Betriebsinhabern. Weiterhin wird mit angelernten Kräften und auszubildenden Praktikanten zusammengearbeitet.

Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit Ärzten, insbesondere mit Orthopäden. Orthopädieschuhmacher entwickeln zusammen mit dem behan-delnden Arzt orthopädische Versorgungen für Fuß und Unterschenkel, um die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

Kontakte bestehen mit Kunden, Patienten, Pflegepersonal, anderen Fachkräften ( z.B. Servicetechnikern für Maschinen und Anlagen, Krankengymnasten,..), Lieferanten der Zulieferindustrie (z.B. für Leder, Holz, Kunststoffe, industrielle Schuhserienteile, Miederwaren, Fußpflegemittel,...) und Mitarbeiter von Krankenversicherungen, Privat- und Ersatzkassen u. a..
 
 

9. Berufsspezifische Konditionen

Für den Bereich des Orthopädieschuhmacherhandwerks sind die Vergütungen zwischen der Gewerkschaft Leder und den Organisationen des Orthopädieschuhmacherhandwerks in Lohntarifverträgen festgelegt.

Während der Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher beträgt die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung in den alten Bundesländern im ersten Ausbildungsjahr 584,- DM , im zweiten Ausbildungsjahr 690,- DM, im dritten Ausbildungsjahr 796,- DM und im vierten Jahr 849,- DM. (Quelle: Handwerkskammer Karlsruhe)

Die Lohnhöhe nach der Ausbildung richtet sich nach der Lohngruppe.

Lohngruppe I : Orthopädieschuhmacher, die vornehmlich mit Modellier-, Abgips-, Leisten-, Kork-, Schaft- oder sonstigen hochwertigen Facharbeiten beschäftigt werden

Lohngruppe I a : bis einschließlich 2. Gesellenjahr

Lohngruppe II : Orthopädieschuhmacher, die ausschließlich mit Bodenarbeiten und Reparaturtätigkeiten beschäftigt werden

Lohngruppe II a : bis einschließlich 2. Gesellenjahr

Lohngruppe III : Stepper

Lohngruppe IV : Fußpfleger

Die angegebenen Lohnhöhen beruhen auf dem Lohntarifvertrag zwischen dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Schuhtechnik Hannover und der Gewerkschaft LEDER, Hauptvorstand, Stuttgart sowie der IG Bergbau, Chemie, Energie, Hannover vom 30.07.1996. Dieser Tarifvertrag gilt für .....

(Lohntarifvertrag zu finden als Anlage im Teil B)

Hierbei gilt eine 40 –Stunden-Woche

Voraussetzung immer Eintragung in die Handwerksrolle bzw. gewerbepolizeiliche Anmeldung ( irgendwo erwähnen ! )
 
Monatsgrundgehalt (Brutto)
Lohngruppe Alte Bundesländer  Neue Bundesländer 
Lohngruppe I 3392,14 DM 2544,53 DM
Lohngruppe I a 3263,87 DM 2430,13 DM
Lohngruppe II 3099,20 DM 2307,07 DM
Lohngruppe II a 2996,93 DM 2232,53 DM
Lohngruppe III 2887,73 DM 2147,60 DM
Lohngruppe IV 2483,00 DM 1850,33 DM

Werkstattleiter erhalten folgenden Aufschlag in Betrieben mit:

a) bis zu 3 Beschäftigten : 25%

b) bis zu 6 Beschäftigten : 50%

c) bis zu 10 Beschäftigten : 75%

d) über 10 Beschäftigte : 100%

Der Urlaubsanspruch beträgt 24 Werktage (Quelle: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Schuhtechnik, gültig seit 1.10.1995)
 

10. Weiterbildung, Spezialisierung, Aufstiegs- und Qualifizierungs-

möglichkeiten und Beschäftigungsalternativen

(Quelle: BERUFE, GABI, Berufsprofile für ..)

10.1. Weiterbildung und Spezialisierung

Weiterbildungs- und Spezialisierungsveranstaltungen werden von fach-spezifischen Schulen oder den zuständigen Handwerkskammern angeboten.

Es gibt die Möglichkeit der Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen wie

Lehrgänge, Kurse oder Seminare, z.B. über Orthopädieschuhtechnik, Innenschuhbau, Bodenbau, orthopädische Therapieschuhe, Informations-technik, Einkauf, Werbung, Dekoration, Verkaufskunde und Arbeits-vorbereitung. In Hannover, München, Langen (bei Frankfurt) und Düsseldorf werden solche Fortbildungsveranstaltungen angeboten

Spezialisierungsmöglichkeiten bestehen zum einen als Orthopädie-schuhmacher im Schaftbau, im Einlagenbau oder in der orthopädischen Schuhzurichtung. Weiterhin bestehen Möglichkeiten der Spezialisierung in den Bereichen:

- Ledergerbung, -zurichtung und -veredelung

- Orthopädie-Technik und der Orthopädie-Schuhtechnik

- Schnittkonstruktion

- Qualitätssicherung

- Verkaufsförderung, Beratung, Werbung und Marketing

- Waren-, Produkt- und Verkaufskunde

- EDV-Anwendungen

- Ausbilder-Ausbildung

Spezialisierungsmöglichkeiten für (angehende) Führungskräfte bestehen in den Bereichen:

- Mitarbeiterführung, Teamarbeit und Teamführung; Mitarbeiterbeziehungen

und Personalwesen

- Betriebswirtschaft, -führung, -organisation; kaufmännische Qualifizierung

- Management, Unternehmensplanung, Projektmanagement

- Planung, Steuerung , Arbeitsvorbereitung

- Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz

- Berufs- und Arbeitspädagogik

- Umweltschutz / Ökologie, Umwelttechnik
 
 
 
 

10.2. Aufstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten

Fachhochschulberufe:
Diplom-Ingenieur im Bereich Leder- und Schuhtechnik
Diplom-Designer im Bereich Produktgestaltung (Leder-Design)
Diplom-Ingenieur - Fachrichtung Kunststofftechnik
Meister-, Techniker- und Fachschulberufe (mit staatlich anerkanntem Abschluss):
Industriemeister Fachrichtung Schuhfertigung
Industriemeister Fachrichtung Lederherstellung
Orthopädieschuhmachermeister
Schuhmachermeister
Techniker Fachrichtung Schuhtechnik
Techniker Fachrichtung Lederherstellung
Techniker für Betriebswirtschaft
Techniker für Betriebsinformatik
Lehrer für Fachpraxis im Schulwesen
Der Orthopädieschuhmachermeister (Handwerk) ist hierbei die am meisten gewählte Aufstiegsform: Nach erfolgreich abgeschlossener Meisterprüfung, (die in Hannover, München, Langen (bei Frankfurt), Siebenlehn (bei Dresden) und Düsseldorf abgelegt werden kann), bieten sich unter anderem in Fachbetrieben der Orthopädietechnik, Orthopädieschuhmachereien, schuhorthopädischen Werkstätten in Kliniken, Krankenhäusern und Heil-stätten, Sanitätshäusern und Orthopädie-Schäfteherstellern vielfältige Berufs-ausübungsmöglichkeiten an. Einsatzbereiche sind hier unter anderem als Ausbilder (Planung und Durchführung der betrieblichen Ausbildung), Werk-stattmeister (selbständige Leitung von Werkstattbereichen.....), Betriebsleiter (selbständige Leitung eines Betriebes) und Erster Geselle (Tragen der Verantwortung für die Arbeitsorganisation und -erledigung,....) möglich.

Bei gutem Abschluss der Meisterprüfung (mind. Note zwei) besteht z. B. in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die Möglichkeit des Studiums an einer Fachhochschule.
 
 
 
 

10.3. Beschäftigungsalternativen:

Der Beruf des Orthopädieschuhmachers bietet eine Reihe von Beschäftigungsalternativen. Im Bereich Leder / Bekleidung / Pelze besteht die Möglichkeit z. B. als Modenäher, Modeschneider, Handschuhmacher, Täschner, Kürschner, Pelzwerker Feintäschner, Feinsattler oder Sattler unterzukommen.

Weiterhin bestehen im Bereich Schuh- und Lederwarenherstellung Möglichkeiten als Schuhmacher, Schuh- und Lederwarenstepper, Schuhfertiger, Sattler, Täschner, Feinsattler, Feintäschner, Etuimacher, Belederer oder Lederbekleidungsschneider zu arbeiten.

Der Bereich Lederherstellung bietet auch im Berufsbild des Gerbers eine Beschäftigungsalternative zum Orthopädieschuhmacher. Als Orthopädietech-niker, Orthopädiemechaniker oder Bandagist in der Orthopädietechnik bestehen ebenfalls Beschäftigungsmöglichkeiten.

Weiterhin bieten sich an:

- im Bereich Polsterei als Polsterer, Fahrzeugpolsterer, Dekorationsnäher oder

Verdecknäher

- in der Kunststoff- und Gummiverarbeitung z. B. als Vulkaniseur,

- in der Kunststoff- und Schwergewebekonfektion z. B. als technischer

Konfektionär oder Segelmacher

- bei Maschinen- und Anlagenbedienung in anderen Bereichen

- in der Textil- und Lederreinigung z. B. als Textilreiniger oder

- im Lagerwesen oder in der Materialwirtschaft als Lagerist, Materialdispo-

nent oder als Fachkraft für Lagerwirtschaft

- im pädagogischen Bereich als Mitarbeiter in therapeutischen Werkstätten

zu arbeiten.
 
 
 
 

11. Beschäftigungsmöglichkeiten im Ausland

Im Zuge der Globalisierung kommt es auch im Bereich Orthopädieschuhtechnik zu einer gegenseitigen Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse und somit zur Möglichkeit der Beschäftigung im Ausland.

Es existiert z.B. ein deutsch-österreichisches Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflichen Prüfungszeugnissen. Somit ist ohne eine zusätzliche Prüfung im jeweils anderen Land die Ausübung des erlernten Berufes und berufliche Weiterbildung möglich.

Auch bestehen in Österreich und der Schweiz Ausbildungsmöglichkeiten mit einer gegenseitigen Anerkennung der Prüfungen.

Es besteht eine "zweite allgemeine Anerkennungsrichtlinie" vom 18.06.1992 , die im § 3 der EWG/EWR-Handwerk-Verordnung aufgenommen wurde. Sie erkennt berufliche Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstige Befähigungsnachweise innerhalb der EG an. Damit soll die Aufnahme und Ausübung selbständiger Tätigkeiten erleichtert werden.

Die Erbringung von Dienstleistungen über die Grenzen hinweg und die Niederlassung in einem anderen Mitgliedsstaat der EU bzw. in einem EWR-Vertragsstaat sind aufgrund der von der EU erlassenen Richtlinien als rechtlich gesichert anzusehen.

(Quelle: www.bremen.de/wirtschaft/euroinfo/eu-arbeitskreis/08NRECHT)

Orthopädieschuhmacher im Entwicklungsdienst / Orthopädieschuhmacher in der Entwicklungshilfe: Die deutsche Orthopädieschuhmacher-Ausbildung wird weltweit geschätzt und anerkannt. Aus diesem Grund werden Orthopädieschuhmacher durch andere Länder angeworben, um die Techniken in ihrem Land zu erlernen oder zu verbessern.
 
 
 
 
 

12. Arbeitsmedizinische Aspekte
Körperliche Anforderungen :
- Funktionstüchtigkeit und Belastbarkeit der Finger, Arme, Hände und der

Wirbelsäule

- Finger- und Handgeschicklichkeit

- Fähigkeit zum beidhändigen Arbeiten für Feinarbeiten

- gutes Sehvermögen für Nähe und Ferne bzw. Korrekturmöglichkeiten

- normales Farbensehen

- räumliches Sehvermögen

- normales, auch durch Hörhilfen korrigiertes, Hörvermögen

- Unempfindlichkeit und Belastbarkeit der Haut und der Atemwege (aufgrund

des Umgangs mit Harzen, Lösungs- und Klebemitteln,.. )

- für an den unteren Gliedmaßen Behinderte ist der Beruf bedingt (je nach

Arbeitsplatzausstattung) geeignet

Aus diesen Anforderungen ergeben sich folgende Merkmale der Nichteignung bzw. die Notwendigkeit der Umschulung / Umorientierung:
Nichteignung:
- Funktionsstörungen der Arme, Hände oder der Finger

- erhebliche Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule oder der Beine

- nicht korregierbare Sehstörung für die Nähe und /oder die Ferne

- mangelhaftes räumliches Sehen ohne Korrekturmöglichkeiten

- gestörtes oder fehlendes Farbensehen

- nicht ausreichend korregierbare Hörstörungen

- chronische Erkrankungen des Stoffwechsels und der inneren Organe,

insbesondere der Atemorgane (z.B. "Asthma bronchiale")

- chronische Hauterkrankungen, Ekzemneigung (besonders an den Händen)

- Allergieneigung (besonders gegen Lösungs- und Klebemittel, ..)

- Mängel in der Wahrnehmungsgenauigkeit und -geschwindigkeit - (unzureichendes räumliches Vorstellungsvermögen oder mechanisch- technisches Verständnis )
- Mangel an praktischer Anstelligkeit und an Hand- und Fingergeschicklichkeit

- Neigung zu Ekelreaktionen gegenüber Fußgerüchen, Missbildungen und Ent-

stellungen von Füßen
Arbeitssituation:
- handwerklich-formgebende und –instandsetzende Arbeit mit

unterschiedlichen Materialien (Leder, Textilien, Metalle, Kunststoffe)

- Es handelt sich meist um Einzelstückarbeit verbunden mit intensivem

Kundenkontakt. Dies bedeutet, dass es bei der Modellabnahme und der Anprobe zum Kontakt mit z. T. ungepflegten, missgebildeten, verstümmelten Füßen kommen kann.

- leichte, gelegentlich mittelschwere körperliche Arbeit, überwiegend im

Sitzen, z. T. auch im Wechsel von Gehen und Stehen. Zeitweises Einnehmen

von Zwangshaltungen wie Bücken, Knien oder Hocken.

- (überwiegend Einzelarbeit)

- (teilweise selbständige, umfassende Arbeitserledigung von der

Modellabnahme bis zur Fertigstellung (je nach Art, Größe und Organisation

des Betriebes))

- (Die Arbeitszeit entspricht den Geschäftsöffnungszeiten)

- (Teilzeitarbeit ist z. T. möglich)
Umgebungseinflüsse:
- Arbeit in geschlossenen, temperierten Räumen und Werkstätten

- z. T. Arbeiten mit künstlicher Dauerbeleuchtung

- zeitweise leichter bis mittelschwerer Maschinenlärm (z. B. durch Näh-,

Aufrauh-, Schleif- und Poliermaschinen)

- Staub durch das Schleifen von Leder und Kunststoffen

- Gerüche durch Kunststoffe, Leder, Lösungs-, Verdünnungs- und Klebemittel,

langjährig getragene Schuhe und Einlagen,..

- Verletzungsgefahr an Schneidewerkzeugen und Maschinen

- Umgang mit hautreizenden und/oder allergisierenden Stoffen (z.B. Farben,

Kleber, Kunststoffe, Lösungsmittel und Schleifstaub)
 
 
 
 

13. Beschäftigungssituation und Beschäftigungsaussichten

Die Beschäftigungsaussichten / Berufschancen im Bereich Orthopädieschuh-technik können heute und auch auf die Zukunft bezogen für ausgebildete Fachkräfte als gut bezeichnet werden.

Die Zahl der Auszubildenden im Bereich Orthopädieschuhtechnik ist zwar leicht rückläufig, die ausgebildeten Kräfte können zur Zeit jedoch fast alle übernommen werden. Auch in Zukunft ist dies wohl zu erwarten. Die persönliche Mobilität spielt hierbei natürlich eine Rolle.

Da die Altersstruktur im Vergleich zu anderen Berufen recht hoch ist, ist auch die Gründung neuer Existenzen oder die Betriebsübernahme nach erfolg-reicher Absolvierung der Gesellenjahre und der Ablegung der Meisterprüfung möglich.

Die Beschäftigungssituation und –aussichten sollen im Folgenden anhand von Zahlen verdeutlicht werden. :

Nach Umfragen der Industrie- und Handelskammer Nordrheinwestfalens von 1994 ("Ausbildung –Beschäftigung - Zukunftsaspekte") unter 3600 ehemaligen Lehrlingen, war fünf Jahre nach Ausbildungsabschluss bereits jeder siebte ehemalige Auszubildende in eine mittlere oder höhere Führungsposition aufgestiegen. Nach fünfzehn Jahren war es sogar jeder dritte. Der Meister oder Fachwirt verzeichnet als Aufstiegsfortbildung einen besonders hohen Andrang. Fast 41% der Auszubildenden erreichten danach mittlere oder gehobene Führungspositionen.

Betrachtet man den Durchschnitt aller Ausbildungsberufe, so waren es hier nur gut 27% der ehemaligen Azubis, die nach der Lehre ein Studium absolvieren.

Die Weiterbildung nach der dualen Ausbildung steht somit der Kombination Lehre und Studium kaum nach.

(Die im folgenden mit * gekennzeichneten Zahlen beinhalten neben der Berufsordnung Orthopädieschuhtechnik (72%) den Ausbildungsberuf des Schuhmachers (28%).)

Die Fachkräfte nahmen 1993 um 15%* auf etwa 6000 zu, im Durchschnitt aller Berufe war ein Rückgang um 6%* zu verzeichnen.

Der Frauenanteil im Bereich Orthopädieschuhtechnik war mit 8,7 %* der Fachkräfte im Vergleich zu dem Durchschnitt aller Berufe (13%)* 1994 recht gering. Es ist jedoch ein Anstieg zum heutigen Zeitpunkt zu vermuten. Dies ist anhand der Zahl der Lehrlinge zu erkennen.

Am 04.04. 2000 waren 26,4 % der Auszubildenden Frauen.
 
 

Die Zahl der selbständigen Fachkräfte ist 1994 mit 50,3%* (1991) sehr hoch. Der Durchschnitt aller Berufe betrug nur 10%*.

Der Bundesinnungsverband verzeichnete am 04.04.2000 im Bereich Orthopädieschuhtechnik 2402 Betriebe. In diesen Betrieben arbeiten zu diesem Zeitpunkt etwa 12.000 Beschäftigte.

Auch der Anteil an älteren OSM ist 1994 mit 30,3%* gegenüber 26,4%* (alle Berufe) höher. Die Zahl der OSM unter 25 Jahren entspricht jedoch in etwa dem Durchschnitt.

Das Interesse der Jugendlichen am Beruf des OSM ist in den letzten Jahren gestiegen. Auch aufgrund der in etwa konstanten Zahlen an Auszubildenden wird der Anteil jüngerer OSM wohl in Zukunft steigen. Die Zahl der Auszubildenden betrug 1993 bundesweit 850 in 597 Ausbildungsstätten. (Quelle: GABI, Deutscher Handwerkskammertag, Bonn)

Am 31.12.1998 betrug die Zahl der Lehrlinge 1371 und am 04.04.2000 verzeichnete der Bundesinnungsverband für Orthopädieschuhtechnik 1323 Lehrlinge in 859 Ausbildungsbetrieben. Hierbei ist eine relativ konstante Zahl an Auszubildenden zu erwarten. Die Übernahmechance bei Bestehen der Abschlussprüfung ist mit etwa 90% recht hoch.
 
 

Beschäftigtenzahlen im Bereich der Schuhmacher ( auch –helfer und Orthopädieschuhmacher):
 
Beschäftigte / Arbeitslose

( ohne Selbständige und Beamte)

1993 1997 1998
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 8.630 7.184 6.882
Beschäftigtengruppen (%)
Frauen 12 15 16
Personen unter 35 Jahre 51 49 49
35 bis unter 50 Jahre 23 29 31
50 Jahre und älter 25 22 20
Ohne abgeschlossene Berufsausbildung 5 5 5
Mit abgeschlossener Berufsausbildung 90 88 87
Arbeitslose      
Arbeitslose mit diesem Zielberuf 1912 1843 1731
Arbeitslosenquoten (%)
Männer 15,4 19,4 19,2
Frauen 27 !!! 26 24,6
Insgesamt 18,1 20,4 20,1
       

(Quelle: Beschäftigten – und Arbeitslosenstatistik der BA, IAB-Datenbank)
 
 
 

14. Schlusswort

Eine weiterhin rückläufige Entwicklung im Bereich der Kriegsopferversorgung erfordert ein Umdenken. Eine Umorientierung auf neue Absatzmärkte ist notwendig geworden. Zum einen kommt es aufgrund der demographischen Entwicklung in unserer Bevölkerung zu einer Verschiebung der Altersstruktur. Somit steigt die Zahl der älteren Menschen, die auf orthopädische Hilfen angewiesen sind. Ein weiterer Punkt ist das zunehmende Freizeitangebot und die damit verbundene Sportwelle. Die Verletzungen, die in diesen Bereichen verstärkt auftreten, machen eine orthopädische Behandlung notwendig. Auch die große Zahl an Haltungsschaden nimmt einen großen Anteil ein. Der Kundenkreis des Orthopädieschuhmachers ändert sich und diese Entwicklung ist auch für die Zukunft abzusehen. Auch eine Umorientierung in den Bereich Sanitätshaus, wo Orthopädieschuh-Technik und Sanitätsfachhandel vereint werden, ist immer häufiger anzutreffen.

Die Schädigungen im Bereich von Fuß und Bein werden wohl nicht geringer werden. Somit muss auch in Zukunft eine optimale orthopädieschuhtechnische Versorgung garantiert werden

95% aller Aufträge der Orthopädiebetriebe werden über die Sozialversicherungsträger abgerechnet. Dies zeigt die feste Einbindung der etwa zweitausend Betriebe in Deutschland in das Gesundheitswesen aber auch die beinahe monopolistische Stellung der Auftraggeber. Der Orthopädieschuhmacher befindet sich demnach in Abhängigkeit, eine Tätigkeit auf dem freien Markt ist somit kaum möglich.

Gerade das Gesundheitshandwerk Orthopädieschuhtechnik ist abhängig von seinen qualitativen Leistungen für Patienten. Aus diesem Grund ist die uneingeschränkte Kostenübernahme durch die Krankenkasse dringend not-wendig.

Der wirtschaftliche Druck und die Übermacht der Krankenkassen sind für die einzelnen Leistungserbringer in den letzten Jahren unerträglich groß geworden.

Die geplante "GKV-Gesundheitsreform 2000" von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ruft Unmut und Befürchtungen hervor. Die Anzahl der Versorgungen durch die Orthopädieschuhmacher steigt wie schon zuvor erwähnt aufgrund der demographische Entwicklung u.s.w. an.

Bei Einführung eines in Planung stehenden Globalbudjets können nicht mehr alle Versorgungen der Patienten mit orthopädischen Hilfsmitteln durchgeführt werden, weil die Finanzmittel begrenzt sind. Es ist zu erwarten, dass die Krankenkassen weitere Preisabsenkungen für die Versorgung durchsetzen werden, um die finanziellen Vorgaben des Globalbudjets einzuhalten. Die Folge davon wäre eine fatale Absenkung der Qualität der Versorgungsleistungen hinsichtlich der verordneten Hilfsmittel und er damit verbundenen Versorgung der Patienten, da die Betriebe die betriebswirtschaftlich kostendeckenden Preise nicht vergütet bekommen.

Ein weiteres Problem stellt die ungebremste Zulassungssteigerung von Leistungserbringern dar, die eine Forderung der qualitativen Verschärfung der Zulassungsvorschriften hervorruft.
 

Verfasser : Sandra Wolf (Diplomarbeit 1999)

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Stand: 26. Dezember 2000